Wir brauchen zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge – und das mehr denn je

Wir brauchen zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge – und das mehr denn je

Alles auf die Umlage? Die oft geschmähte gesetzliche Rente scheint gerade zum alleinigen Hoffnungsträger für künftige Rentnergenerationen aufzusteigen. Doch ohne zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge wird es künftig nicht gehen. Warum das so ist, zeigen die folgenden vier Gründe.

 

I. Die gesetzliche Rente allein reicht nicht zum Leben

Das aktuelle Rentenniveau in Deutschland liegt bei knapp 48 Prozent. Die Großkoalitionäre von CDU, CSU und SPD haben vereinbart, auf diesem Niveau eine „Haltelinie“ für die staatliche Rente zu ziehen und dies als Erfolg präsentiert. Doch ist das wirklich eine so gute Nachricht? Und was heißt das konkret in Euro und Cent?

Tatsächlich erhielten Rentner in Deutschland im Jahr 2015 per Monat durchschnittlich 787 Euro im Westen und 964 Euro im Osten. Unterscheidet man in der Statistik nach Männer und Frauen, so erhielten die Frauen im Osten durchschnittlich pro Kopf 846 Euro (im Westen 580 Euro), die Männer in den neuen Bundesländern dagegen 1.124 Euro (im Westen 1.040 Euro).

Wer von diesem Geld Lebensunterhalt und Miete im Alter finanzieren will, wird seinen Lebensstandard, wie er zu Zeiten der Erwerbstätigkeit existierte, nicht halten können. Mit der gesetzlichen Rente lässt sich in den meisten Fällen allenfalls noch eine Grundabsicherung realisieren. Wenn dann noch zusätzliche Kosten für Alltagshilfen, Gesundheit oder Pflege hinzukommen, ist auch das nicht mehr darstellbar.

Die Zahlen belegen: Die staatliche Rente allein wird künftig noch viel weniger als bisher ausreichen, den Lebensunterhalt zu sichern. Daran wird auch die jetzt vereinbarte Haltelinie von 48% für die kommenden vier Jahre nichts ändern.

Von der OECD erhält das deutsche Rentensystem eher bescheidene Noten. Bemängelt wird insbesondere die schlechte Absicherung von Geringverdienern, u.a. verursacht durch enge Verbindung von Erwerbseinkommen und Rentenansprüchen. Doch auch die gesellschaftliche Mitte wird das treffen – es sei denn, sie sorgt kapitalgedeckt vor.

 

II. Kapitalgedeckte Vorsorge ermöglicht Teilhabe an globaler Wertschöpfung

Ende 2016 entsprach der Börsenwert der vier großen amerikanischen Technologiekonzerne (Facebook, Google, Apple und Amazon) dem Doppelten aller DAX 30 Unternehmen. Gleichzeitig beschäftigten diese vier weltweit nur etwa ein Zehntel der Mitarbeiter, die für die DAX 30 Unternehmen allein in Deutschland arbeiten. Was das mit der Altersvorsorge in Deutschland zu tun hat?

Die Arbeitswelt verändert sich, und damit auch die Einkommensquellen der Menschen. Die Automatisierung hat die Bedeutung des Faktors Arbeit deutlich reduziert. Die Digitalisierung hat diesen Trend weiter beschleunigt. Folgerichtig sinkt (global betrachtet) die Bedeutung von Erwerbseinkommen. Zwar macht Erwerbseinkommen heute noch rund 2/3 des gesamten weltweiten Einkommens aus, doch der Anteil des Kapitaleinkommens liegt immerhin schon bei 1/3 – Tendenz steigend.

Eine kapitalgedeckte Altersversorgung gibt Arbeitnehmern die Chance, in wertschöpfendes Kapital zu investieren, an der globalen Wertschöpfung des Faktors Kapital in all seinen Ausgestaltungen und auch über nationale Grenzen hinweg zu partizipieren und damit Vermögen aufzubauen.

Mit Transfergeldern und Sozialleistungen, die allein aus dem Erwerbseinkommen entstehen, ist das nicht möglich. Deshalb müssen wir die gesetzliche Rente durch eine starke kapitalgedeckte Altersvorsorge ergänzen.

 

III. Risiken in der Altersvorsorge streuen

Die gesetzliche Rente ist zwar nicht den Kapitalmarktrisiken ausgesetzt, aber risikofrei ist auch diese nicht zu haben. Da ist zum einen die Abhängigkeit von der Politik. Diese kann jederzeit per Gesetz das Niveau der Rentenleistungen neu definieren, das Renteneintrittsalter verändern oder zusätzliche Leistungen für bestimmte Anspruchsgruppen definieren, die ggf. aus der Rentenkasse finanziert werden und damit zwangsläufig zu Lasten anderer Anspruchsgruppen gehen.

Hinzu kommt das demografische Risiko. Entwickelt sich die deutsche Alterspyramide weiter zur Zwiebel, setzt das ein umlagefinanziertes Vorsorgesystem massiv unter Druck. Denn die gesetzliche Rente bleibt eine Transferleistung, die allen Entwicklungen des gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umfeldes ausgesetzt ist und damit durch Änderungen auch nur eines dieser Faktoren immer wieder zur Disposition gestellt werden kann.

Schon heute kann ein Einfrieren oder gar ein Ausbau der gesetzlichen Rentenversicherung dauerhaft nur durch höhere Steuereinnahmen oder eine stärkere Belastung der Beitragssätze auf den Faktor Arbeit erkauft werden. Beides dürfte angesichts der allgemeinen Aversion gegen Beitrags- oder gar Steuererhöhungen immer schwerer durchsetzbar sein. Zudem stellt sich auch die grundsätzliche Frage, ob der Faktor Arbeit überhaupt noch durch zusätzliche Beitrags- oder Steuerabgaben weiter belastet werden kann. Bereits jetzt ist der Anteil des Erwerbseinkommens an der Wertschöpfung (als Komplementär zum Kapital) in allen entwickelten Industrienationen durch Automatisierung, Digitalisierung und Verlagerungen in den Dienstleistungssektor auf dem Rückzug. Eine weitere Belastung würde nur zu beschleunigten weiteren Ausweichbewegungen Richtung Auslagerung und Automatisierung führen und die Basis für auskömmliche Rentenleistungen weiter erodieren lassen.

Wer zusätzlich kapitalgedeckt vorsorgt, schafft Eigentum, das rentenpolitischen und demografischen Risiken nicht ausgesetzt ist. Deshalb ist die kapitalgedeckte Vorsorge unverzichtbar für die gesunde Risikostreuung in der Altersvorsorge.

 

IV. Wachstum braucht Käufer – und diese Rolle müssen immer mehr die Rentner übernehmen

Wenn unsere Volkswirtschaft weiter wachsen will, wird sie auch künftig Konsumenten brauchen, die über das Einkommen verfügen, um Güter und Dienstleistungen zu kaufen. Auch der Exportweltmeister Deutschland wird an dieser Gesetzmäßigkeit kaum vorbeikommen.

Irgendwann zwischen 2020 und 2025 – so die Prognose des statistischen Bundesamtes – wird der Anteil der Rentner an der Erwerbsbevölkerung die 50-Prozent-Marke überschreiten. Entsprechend muss auch deren Kaufkraft mindestens erhalten bleiben, damit sie den notwendigen Teil zum Wirtschaftswachstum beitragen können. Ist das realistisch? Auf Basis der gesetzlichen Rente nicht. Denn es ist ja gerade der steigende Anteil von Rentnern, der diese an ihre Belastungsgrenze bringt. Eine stärkere Verbreitung der kapitalgedeckten Altersvorsorge ist daher schon aus volkswirtschaftlichen Gründen dringend geboten.      

Der Aufbau von Vermögen in breiten Bevölkerungsschichten und die Beteiligung breiter (!) Arbeitnehmerschichten an Kapitalerträgen ist für eine solide und volkswirtschaftlich durchdachte Altersversorgung heute unerlässlich. Gerade die betriebliche Altersversorgung über regulierte Pensionskassen eignet sich hervorragend für diesen Vermögensaufbau und für die Beteiligung an Wohlstand und Wertschöpfung, weil hier beide Sozialpartner gemeinsam Altersvorsorge gestalten können.

Hierfür war die Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes mit der Absage an Garantieprodukte im Tarifpartnermodell im Jahr 2017 ein erster, wenn auch zaghafter Schritt. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge muss weiter gestärkt und für Arbeitnehmer zur unverzichtbaren Ergänzung der gesetzlichen Rente werden.